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10.03.22

Impfung-bei-hunden

Impfung bei Hunden

Impfen im Rhythmus: Sinnvolle Krankheitsprävention beim Hund


In unserem ersten Teil der Grundlagen erklären wir, wie Impfungen wirken und wer festlegt, wogegen geimpft werden soll.


Wie funktionieren Impfstoffe?

Ein kleiner immunologischer Exkurs: das Immunsystem hat die Aufgabe, Erreger vom Körper fernzuhalten, bevor sie Schaden anrichten können. Dabei hat es zwei Herausforderungen: Erreger erstens erkennen und zweitens wissen, wie man sie besiegt. Um das nicht immer neu herausfinden zu müssen, ist es sinnvoll, gegen immer wiederkehrende Erreger ein paar Wachleute aufzustellen. Diese schlagen Alarm, sobald der bekannte Eindringling wieder vor der Tür steht und der Körper weiß, was zu tun ist, wenn es soweit ist. Dies ist bei allen Krankheiten besonders wichtig, bei denen die Symptome schnell lebensbedrohlich werden können. Um Erreger zu erkennen, muss das Immunsystem sie aber schon einmal „gesehen“ haben, um quasi ein Fahndungsfoto zu erstellen. Das ist jedoch bei den besonders gefährlichen Krankheiten ein Dilemma, denn um geschützt zu sein, müsste man sich in Lebensgefahr begeben. Genau da kommen Impfungen ins Spiel: sie enthalten den Erreger entweder in abgeschwächter Form (Lebendimpfstoff) oder in Fragmenten (Totimpfstoff). Durch die Impfung wird dem Körper also dieser Erreger „gezeigt“, ohne ihn in große Gefahr zu bringen. Er hat die Chance sich zu merken, wie er den Erreger erkennen und besiegen kann. Diese Entdeckung war ein riesiger Durchbruch der Medizin und hat seitdem unzählige Leben gerettet.


Gegen welche Krankheiten sollte man impfen?

Impfungen werden in sogenannte Core-Komponenten und Nicht-Core-Komponenten eingeteilt. Gegen Core-Komponenten sollte zu jeder Zeit ein Impfschutz bestehen, während Non-Core-Komponenten nur bei einem entsprechenden Infektionsrisiko geimpft werden müssen. Aktuell ist eine Impfung gegen folgende Krankheiten besonders wichtig: Parvovirose, Staupe und Leptospirose, aber auch Hepatitis Contagiosa Canis (HCC) sollte, zumindest bei jungen Hunden, mit geimpft werden. Diese Krankheit wurde zwar durch den Impferfolg der letzten Jahrzehnte aus Westeuropa nahezu verdrängt, kann aber jederzeit eingeschleppt werden und wird noch immer beobachtet. In schweren Fällen verstirbt der Hund innerhalb weniger Stunden. Auch die übrigen Krankheiten können lebensbedrohlich sein und haben viele Hundeleben gekostet, bevor Impfstoffe gefunden wurden. Bei der Leptospirose gibt es mehrere Untergruppen (Serovare). Da die Untergruppen Canicola und Icterohaemorrhagiae durch den Impferfolg der letzten Jahrzehnte nur noch selten nachgewiesen werden, sollte man einen Impfstoff wählen, der auch gegen Grippotyphosa und Australis schützt. Dieser sogenannte multivalente Impfstoff führt allerdings häufiger als andere zu Impfreaktionen, sodass man seinem Hund ein paar Tage Ruhe nach der Impfung gönnen sollte. Zur Einordnung: Im Jahr 2015 wurden deutschlandweit 301 Meldungen zu Nebenwirkungen nach Impfungen an die Behörde gemeldet. Daher sind Impfreaktionen als sehr selten anzusehen und es werden auch vorübergehende Symptome wie Juckreiz, Übelkeit und Erbrechen gemeldet. Die Tollwut gilt in Deutschland durch breit angelegte Impfaktionen als ausgerottet, es gibt aber noch vereinzelte Fälle. Aufgrund seuchenrechtlicher Vorschriften kann der eigene Hund bei Kontakt zu einem tollwutverdächtigen Tier aber in Quarantäne verbracht werden. Bei dringendem Verdacht auf eine Infektion kann sogar die Tötung angeordnet werden. Wenn Hunde nachweislich gegen Tollwut geimpft sind, wird man von diesen Maßnahmen verschont. Außerdem ist bei einer Auslandsreise eine Impfung gegen Tollwut meist Pflicht, teilweise sogar mit Antikörpernachweis.


Wer erstellt die Leitlinien?

Die Impfleitlinien werden von der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) erarbeitet. Dieses ist mit dem Friedrich-Löffler-Institut verbunden, von diesem aber fachlich unabhängig. Die Kommission besteht aus acht Mitgliedern und deren Stellvertretern, die jeweils einen Fachbereich vertreten. Diese Fachbereiche teilen sich wie folgt auf: Hund, Katze, Pferd, Rind, kleine Wiederkäuer, Schwein, Geflügel, Fische. Die aktuell gültige Leitlinie (Link zu den Leitlinien) zur Impfung von Kleintieren ist 2019 erschienen und von fünf ProfessorInnen deutscher tiermedizinischer Universitäten sowie zwei praktizierenden Tierärzten aktualisiert worden. Dieser Artikel wurde von unserer Tierärztin verfasst, um Sie bestmöglich und fachlich akkurat zu informieren.


Wie oft sollten Wiederholungsimpfungen gegeben werden?


Die Impfstoffhersteller sind gesetzlich verpflichtet die Sicherheit und Effektivität ihrer Impfstoffe darzulegen, um eine Zulassung zu bekommen. Das bedeutet, dass sie im Tierversuch zeigen müssen, ob und welche unerwünschten Wirkungen (= Nebenwirkungen) beobachtet werden und dass ein Impfschutz besteht. Langzeitversuche sind nicht nur teuer, sie sind auch für die Versuchstiere belastender. Daher besteht höchstwahrscheinlich eine längere Immunität bei einem geimpften Hund, als auf der Packungsbeilage angegeben ist. Dies ist auch ausdrücklich in den Leitlinien der StIKo Vet erwähnt. Dafür kann allerdings niemand garantieren und der Tierarzt würde persönlich für Schäden am Tier haften, wenn er Ihnen ein längeres Impfintervall empfiehlt, als der Hersteller vorgibt. Auf eigene Verantwortung können Sie allerdings das Intervall länger wählen, sollten dies allerdings erst nach sorgfältiger Recherche aktueller medizinischer Publikationen tun. Viele „Aufklärungs-Websites“ machen Stimmung gegen Impfungen mit veralteten und / oder falschen Aussagen. Im Zweifel wird empfohlen, sich an den Leitlinien der StIKo Vet zu orientieren, diese sind von Pharmafirmen unabhängig.

Gesundheitliche Risiken

Man kennt es von seinen eigenen Impfungen: manchmal ist man danach ein paar Tage schlapp. Dies ist die häufigste unerwünschte Wirkung beim Impfen und darauf zurückzuführen, dass das Immunsystem anfängt zu arbeiten. Nicht bei jedem Impfstoff bzw. bei jedem Hund ist diese Reaktion gleich stark und sie ist ein Stück weit auch von der Tagesform abhängig. Jeder Impfstoff muss kritisch hinterfragt werden: Stehen die potenziellen Risiken und der Nutzen in einem sinnvollen Verhältnis? Für die sogenannten Core-Impfungen trifft dies zu, denn von diesen Krankheiten geht eine massive Gefahr aus. Grundsätzlich kommen vereinzelt auch schwerwiegende Impfreaktionen vor, die aber in der Regel nur kurzzeitig auftreten. Das Paul-Ehrlich-Institut veröffentlicht regelmäßig Berichte über die Sicherheit von Tierarzneimitteln. Impfstoffe gegen Leptospiren mit mehr als 2 Serovaren haben dabei einen höheren Anteil unerwünschter Reaktionen. Allerdings geht gerade von den neu aufgenommenen Serovaren eine erhöhte Gefahr aus – nicht nur für den Hund. Die Leptospiren, bakterielle Erreger, können auch den Menschen infizieren und schwere Organschäden hervorrufen. Aufgrund der großen Gefahr, die von dieser Krankheit ausgeht, wird daher eine Impfung dringend empfohlen (s. auch Stellungnahme der StIKo Vet). 

 Man sollte für die Tage nach der Impfung entsprechend nur wenige Aktivitäten planen und seinem Hund etwas Ruhe gönnen. Das ist allerdings immer eine gute Idee, nicht nur bei potenziell belastenden Impfungen. Wie in Teil 1 unserer Impfserie beschrieben, gab es im Jahr 2015 nur 301 Meldungen zu unerwünschten Wirkungen nach einer Impfung bei Hunden. Dazu zählen auch Symptome wie Juckreiz, Erbrechen und Durchfall oder Schmerzen an der Injektionsstelle. Man sollte sich vor allem nicht verrückt machen lassen von Horrorgeschichten nach dem Impfen. Es gab sicherlich schon Hunde, die nach einer Impfung gestorben sind. So wie bestimmt auch Menschen wegen des Sicherheitsgurtes bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sind. Auf der anderen Seite sind sehr viel mehr Leben gerettet worden, weil ein Sicherheitsgurt angelegt wurde, bzw. weil gegen vermeidbare Krankheiten geimpft wurde.

Was sind Adjuvantien?

Adjuvantien sind Impf-Hilfsstoffe. Es handelt sich dabei um Stoffe, die die Wirkung des Impfstoffes verbessern, indem sie einen lokalen Reiz an der Injektionsstelle setzen, der das Immunsystem besonders anlockt. Dadurch minimieren sie die notwendige Dosis des Erregers oder rufen eine stärkere oder länger dauernde Immunität hervor. In einigen Fällen aktivieren sie auch bestimmte Komponenten des Immunsystems, je nach gewünschter Wirkung. Bei Hundeimpfstoffen wird nahezu ausschließlich Aluminiumhydroxid als Adjuvans eingesetzt. Die eingesetzte Menge ist dabei sehr gering. Es gibt schon länger Bestrebungen, adjuvansfreie Impfstoffe herzustellen, dies ist aber eine besondere Herausforderung, denn niemand möchte jeden Monat mit seinem Hund zum Impfen gehen. Deswegen enthalten viele Impfstoffe noch Adjuvantien, manche Hersteller haben aber schon Impfstoffe ohne entwickelt. Eine Übersicht über alle in https://www.pei.de/DE/arzneimittel/tierarzneimittel/hunde/hunde-node.html. Thiomersal wird in manchen Impfstoffen als Konservierungsmittel eingesetzt. Thiomersal ist eine Quecksilberverbindung und zieht dadurch Sorge über gesundheitliche Beeinträchtigungen auf sich. Die Mengen sind allerdings so gering, dass die Aufnahme über die Nahrung deutlich höher ist: schon mit einer Portion Fisch hat man dieselbe Menge Quecksilber aufgenommen. Da die technische Entwicklung fortschreitet ist es mittlerweile möglich, Impfstoffe ohne Thiomersal herzustellen. Ob es enthalten ist, kann in der Gebrauchsinformation des Impfstoffes nachgeschaut werden. Es gibt bis heute keine belastbaren Hinweise auf eine Schädlichkeit, wie dies von Impfgegnern propagiert wird. Eine gesundheitliche Beeinträchtigung, die schwerer wiegt als eine mögliche Infektion, ist nahezu ausgeschlossen. Dieser Artikel wurde von unserer Tierärztin verfasst, um Sie bestmöglich und fachlich akkurat zu informieren.


Welpen Impfen

Im letzten Teil unserer Impfserie erklären wir die immunologische Lücke und wann Sie mit Ihrem Welpen zum Impfen gehen sollten.

Das Immunsystem des Welpen und Schutz in den ersten Lebenswochen

Das Immunsystem des Welpen ist noch nicht voll entwickelt. Damit ein Welpe in der Zeit nach seiner Geburt nicht schutzlos den Erregern der Umwelt ausgeliefert ist, bekommt er mit dem Kolostrum, der ersten Milch nach der Geburt, Antikörper der Mutterhündin. Diese können nur innerhalb der ersten Stunden nach der Geburt vom Verdauungssystem ins Blut gelangen, danach würden sie einfach wie normale Eiweiße verdaut werden. Diese maternalen Antikörper schützen den Welpen vor Erregern. Während der ersten Lebenswochen nimmt die Zahl der Antikörper kontinuierlich ab; wie schnell ist individuell verschieden. Bei einigen Hunden sind ab der achten Woche schon keine nennenswerten Mengen maternaler Antikörper vorhanden, spätestens mit 16 Wochen kann man davon ausgehen, dass der Welpe nicht mehr geschützt ist.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die erste Impfung?

Ein Impfstoff wird in der Regel bei Anwesenheit maternaler Antikörper neutralisiert, sodass das Immunsystem des Welpen gar nicht erst aktiviert wird und sich entsprechend kein Impfschutz einstellt. Der Impferfolg hängt also maßgeblich von der Konzentration der maternalen Antikörper ab. Wenn man allerdings zu spät impft, ist das Risiko einer Infektion groß. Das Zeitintervall, in dem der maternale Schutz nicht mehr gegeben ist und der Impfschutz noch nicht greift, nennt man immunologische Lücke. Wenn sich ein Welpe in dieser Zeit mit gefährlichen Erregern infiziert, sind seine Überlebenschancen in aller Regel sehr schlecht. Wenn man genau wüsste, wann die Konzentration der Antikörper weit genug abgenommen hat, könnte man die erste Impfung genau dann verabreichen, wenn der Welpe gerade noch geschützt ist, die Impfung aber trotzdem funktioniert. Leider ist dieser Zeitpunkt in der Praxis kaum bestimmbar. Deswegen versucht man mit drei Impfungen im Abstand von vier Wochen ab der achten Lebenswoche den Zeitraum der immunologischen Lücke so kurz wie möglich zu halten – und damit auch das Risiko so gering wie möglich. Mit etwa 15 Monaten wird eine Wiederholungsimpfung durchgeführt, mit der die Grundimmunisierung abgeschlossen ist.

Impfen ja oder nein – und gegen welche Krankheiten?

Die Impfprogramme der letzten Jahrzehnte haben viele gefährliche Krankheiten aus Deutschland nahezu verdrängt. Aus dem Grund wähnen sich Viele in Sicherheit – ein Schein, der trügt. Illegale Grenzüberquerungen, gerade von der sogenannten Hundemafia, mit Welpen, die viel zu jung von der Mutter getrennt wurden, nehmen zu. Nicht nur, dass diese Welpen meist nach kurzer Zeit versterben, sie schleppen die Krankheiten auch wieder nach Deutschland ein. Deswegen sollte man mindestens die sogenannten Core-Impfungen vornehmen, gegen Parvovirose, Leptospirose, Staupe und HCC. Je nach individueller Situation sollten auch Impfungen gegen Zwingerhusten (hier bewirkt die Impfung keine Verhinderung der Krankheit, sondern nur eine Reduktion der Symptome), Tollwut, Herpes, Borreliose oder bestimmte Pilze vorgenommen werden. Dies ist aber nicht bei jedem Hund sinnvoll und sollte deswegen individuell mit dem Tierarzt oder der Tierärztin und ggf. zusammen mit dem / der Züchterin besprochen werden.